Wenn über Künstliche Intelligenz und Bildung gesprochen wird, ist meist der Unterricht gemeint: Tafel, Tablet, Lernapp. Die größere Verschiebung findet woanders statt — zwischen den Generationen, die dieselbe Technik aus völlig unterschiedlichen Richtungen kennenlernen.
Ein Kind, das mit Sprachassistenten aufwächst, lernt anders zu fragen als jemand, der Fragen aus Büchern gewohnt ist. Eine Großmutter, die zum ersten Mal mit einer Amts-KI spricht, bringt vierzig Jahre Erfahrung mit einem Amt mit, in dem am Schalter jemand saß. Beide haben recht mit dem, was sie erwarten — und beide müssen etwas neu lernen, das die jeweils andere Generation schon kann.
Ein Werkzeug, keine Übung
Das Sachbuch Mitwachsen bringt diesen Gedanken auf eine knappe Formel: Das Werkzeug ist da, die Übung dazu hat nie jemand erfunden. Gemeint ist damit nicht die Software, sondern die Zeit, das Gespräch, die Begleitung, die es braucht, damit eine neue Technik nicht zwischen den Generationen einen Graben aufreißt, sondern eine Brücke wird.
Ein eigenes Kapitel im dritten Teil des Buches trägt den Titel Bildung und Generationen und fragt genau danach: nicht, was Künstliche Intelligenz im Klassenzimmer leisten kann, sondern was mit denjenigen geschieht, die man mit ihr allein lässt — Schüler ebenso wie Großeltern, Lehrkräfte ebenso wie Verwaltungsangestellte.
Wer sagt: mein Sohn liest zu wenig, hat ein Problem. Wer sagt: die Jugend liest nicht mehr, hat eine Meinung. Ein Urteil, das niemanden benennt, verpflichtet zu nichts.
Aus Kapitel 3
Genau diese Genauigkeit — wer konkret gemeint ist, nicht „die Jugend“ oder „die Alten“ pauschal — ist der rote Faden des Buches. Historische Technikumbrüche dienen dabei als Prüfstein, nicht als Beruhigung: Jeder von ihnen hat Menschen zurückgelassen, und jedes Mal war vorher bekannt, wen es treffen würde.
Wer selbst hineinlesen will: Eine Leseprobe aus Mitwachsen steht kostenlos zur Verfügung. Das Buch ist als Taschenbuch und E-Book erhältlich.
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